Wer anfängt, eigene Kleidungsstücke zu nähen, merkt irgendwann, dass die Details mehr zählen als zunächst gedacht. Es beginnt mit passenden Rippenbündchen, abgestimmten Fäden, dekorativen Nähten — und dann kommen die Etiketten. Es gibt durchaus gute Angebote, aber das Richtige zu finden ist schwieriger als es klingt: Die Farbe stimmt nie ganz, oder sie passt, aber der Text trifft nicht den Ton des Stücks. Die naheliegende Lösung ist dann, sie selbst zu machen.
Mit dieser Methode druckst du individuelle Etiketten im Siebdruck — mit vorgefertigten Lossie-Papierschablonen. Kein Entgittern. Kein Vinyl. Nur dein Sieb, deine Farbe und ein Design, das zum Projekt passt.
Zwei Etikettentypen
Eingenähte Etiketten (für Nähte) werden mit gespiegeltem Text gedruckt — notwendig, weil das Etikett nach dem Falten und Einnähen von beiden Seiten sichtbar ist. Ohne Spiegelung liest sich der Text vor dem Falten korrekt, aber im fertigen Kleidungsstück verkehrt herum. Nach dem Fixieren der Farbe lassen sich mit einem Hilfsmarker — der mit Wärme verschwindet — Verbindungslinien zwischen den Hilfsmarkierungen ziehen, für saubere und gleichmäßige Schnitte. Sobald die Farbe fixiert und die Etiketten zugeschnitten sind, ist keine Linie mehr sichtbar. Das ist besonders bei aufgenähten Etiketten wichtig, wo jede verbleibende Markierung am fertigen Stück sichtbar wäre.
Aufgenähte Etiketten (flach) werden direkt auf das fertige Stück aufgenäht — auf eine Naht, eine Tasche oder eine beliebige Fläche. Da sie auf dem Stoff aufliegen statt in einer Naht zu verschwinden, lohnt es sich, vor dem Zuschneiden Bügeleinlage (Vlieseline oder Vliesofix) auf die Rückseite zu bügeln. Das gibt dem Etikett Stabilität und sorgt dafür, dass es seine Form behält — besonders bei Webware, bei der die Schnittkanten mit der Zeit ausfransen können.
Materialien
Etiketten lassen sich auf Baumwollstoffen, Strickware, Waschbarem Papier (SnapPap / Nähpapier) für flache aufgenähte Etiketten oder auf jeder anderen Oberfläche drucken, die Textilfarbe aufnimmt. Die Materialwahl beeinflusst die Technik mehr als den Ablauf: Baumwolle saugt gut auf und ist am verzeihendsten. SnapPap saugt weniger, deshalb muss der Druck sauberer sein — weniger Spielraum für Fehler. Kunstleder erfordert noch mehr Sorgfalt, da es langsamer trocknet. Sowohl SnapPap als auch Kunstleder ergeben ein Ergebnis, das einem klassischen Konfektionsetikett ähnelt — näher an dem, was man auf Denim findet — während Stoffetiketten einen weicheren Griff haben. Was du dir vorstellst, entscheidet meistens über die Wahl.
Pro tip: Nach dem Fixieren des Drucks Bügeleinlage (Vlieseline oder Vliesofix) auf die Rückseite bügeln, bevor du zuschneidest — das gibt dem Etikett Stabilität und sorgt dafür, dass es seine Form behält, besonders bei Webware, bei der die Kanten des Etiketts mit der Zeit an der Naht ausfransen können.
So nähst du eingenähte Etiketten
Die Schablonen sind ohne lose Teile konstruiert, und alle Designs sind einfarbig — der Einstieg ist genauso unkompliziert wie bei jedem anderen Siebdruck. Worauf es wirklich ankommt, ist das saubere Schneiden entlang der Markierungslinien. Bei feineren Texten machen eine scharfe Klinge und eine ausreichend klebrige Schneidematte einen echten Unterschied — feine Details sind die häufigste Fehlerquelle beim Zuschneiden, und ausreichender Druck ist wichtiger, als es auf den ersten Blick wirkt.
- Das Etikett rechts auf rechts entlang der horizontalen Achse falten.
- Die linke und rechte Seite mit 1 cm Nahtzugabe nähen (bei Größenänderungen anpassen).
- Auf rechts wenden und bügeln. Das Etikett ist jetzt bereit, in eine Naht eingenäht zu werden.
Einfach anpassbar
Weil du diese Etiketten selbst druckst, sind alle Variablen offen — Farbe, Stoff, Tintentyp, Etikettenformat. Du kannst den gesamten Schablonenbogen bedrucken oder einzelne Bereiche abdecken, um ein Etikett nach dem anderen zu drucken. Das gleiche Design wirkt in Weiß auf dunklem Denim völlig anders als in einer farblich abgestimmten Tinte auf einem gemusterten Stoff — und genau darin liegt der Reiz. Einen genaueren Blick darauf, wie das über ein ganzes Projekt hinweg aussieht, gibt der Artikel How to Create a DIY Kidswear Collection: Lessons from La Dolce Vita — mit Etiketten, die über verschiedene Kleidungsstücke und Stoffe hinweg aufeinander abgestimmt sind. Ergebnisse aus der Praxis sind auf Instagram unter #nucanecalabels zu sehen.
Das Schönste an selbst gemachten Etiketten ist der Moment, in dem sie Teil des fertigen Stücks werden und alles zusammenpasst — Stoff, Farbe, Aussage. Ein Kleidungsstück, das in jedem Detail stimmig ist, weil du alle davon gemacht hast.
Die Etiketten-Schablonendatei — mit eingenähtem und aufgenähtem Layout — ist im Shop erhältlich.
Etiketten-Schablonen ansehen →
0 Kommentare